Auf ein Wort: Martin

 

Bei unserem Sankt-Martins-Workshop im November habe ich die Kinder gefragt, ob sie denn überhaupt wissen, wer dieser „heilige Martin“ war. „Na klar!“, sagte da ein kleiner Junge. „Das war doch der, der die Bibel ins Deutsche übersetzt hat!“. Am Ende dieses großen Luther-Jahres kann es schon mal vorkommen, dass man den Reformator Martin Luther mit dem Bischof Martin von Tours verwechselt. Mir selber schwirrt ja auch der Kopf vor lauter Luther-Ausstellungen, Luther-Vorträgen und Luther-Abenden. Für das kommende Jahr verordne ich mir selber hiermit mal ein „Luther-Fasten“: Ein Jahr lang werde ich kein Luther-Zitat in eine Predigt einbauen! (Wer mich dabei ertappt, dass ich doch den guten Martin zitiere, dem gebe ich einen aus…). Vor dem Luther-Fasten werde ich aber an dieser Stelle doch noch mal den Wittenberger zitieren. In seinen Tischreden findet sich ein Zitat, das gut auch in unsere Zeit passt: „Alles dauert immer nur vier Wochen. Danach wird etwas Neues gesucht. Dieses Verlangen nach immer Neuem ist für das Volk die Mutter aller Irrtümer“. Schon Martin Luther hat also die Schnelllebigkeit seiner Welt und die kurze Aufmerksamkeitsspanne seiner Zeitgenossen kritisiert. Ersetzt man in seinem Zitat die „vier Wochen“ durch „vier Tage“ passen seine Worte perfekt in unsere Zeit. Alles dauert heutzutage doch nur noch circa vier Tage, schon ist ein Thema wieder „durch“, schon wird wieder eine andere „Sau“ durch das (virtuelle) Dorf getrieben. Schnell regt man sich auf, schnell vergisst man wieder. Luthers Worte regen dazu an, die anstrengende Suche nach dem Neuem zu unterbrechen. Dabei lassen die „vier Wochen“, von denen Luther spricht, an die vier Wochen denken, die nun vor uns liegen: Die Adventszeit. Warum nutzen wir die kommenden vier Wochen nicht dazu, einmal geistig zu entschleunigen? Die Hatz nach dem Neuen beenden und sich bewusst auf etwas Altes besinnen: Die Adventszeit mit ihren alten Traditionen ist dafür eine ideale Zeit. Vielleicht liest man sich in der Familie im Lichte des Adventskranzes gegenseitig Geschichten vor. Vielleicht entdeckt man in unserer Kirche die adventlichen Tagzeitengebete neu. Vielleicht hat man Lust darauf, ausgerechnet in den kommenden Wochen auf etwas bewusst zu verzichten und damit die Adventszeit als Fastenzeit wiederzuentdecken! Was auch immer wir uns für die kommenden Wochen vornehmen: Ich wünsche uns von Herzen, dass wir diesen Advent als wirklich besinnliche Zeit gestalten.

 

Euch allen eine gesegnete Advents- und Weihnachtszeit und

dann einen guten Rutsch ins neue Jahr!

 

Euer Peter Krogull

 
  
  
 
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