Auf ein Wort: Kräutergarten

 

So langsam muss ich mich auf meinen Abschied von Sankt Petri einstellen. Im Februar wurde meine Nachfolgerin Rajah Scheepers gewählt. Bereits im März trete ich meine neue Stelle in Düsseldorf an als kreiskirchlicher Pfarrer für Seelsorgefortbildung und –entwicklung. Diese Stelle erlaubt es, dass ich an den meisten Wochenenden bis zum Sommer an Sankt Petri noch meine ganz zentralen Aufgaben (Gottesdienste, Amtshandlungen, Konfirmandenzeit) ausüben kann. Und dann steht Anfang Juli der Umzug für mich und meine Familie an.

Was ich an Sankt Petri ganz besonders vermissen werde? Um diese Frage zu beantworten, bräuchte ich wohl mehrere PetriPost-Ausgaben! Mir kommt aber schon jetzt ein Ort in den Sinn, der mir bestimmt sehr fehlen wird: der schöne Kräutergarten hinter den Grabkapellen. Wer diesen Ort noch nicht kennt, sollte in diesem Frühling die Gelegenheit ergreifen und entweder zur Öffnungszeit der Kirche einen Blick hineinwerfen oder eine der kommenden Veranstaltungen dort besuchen. Mich fasziniert am Kräutergarten, wie Leben und Tod bzw. Gegenwart und Vergangenheit dort aufeinandertreffen. Dabei ist die Bezeichnung „Kräutergarten“ etwas irreführend. Denn Kräuter gibt es dort kaum. In erster Linie ist der Kräutergarten Teil des gemeindlichen Friedhofes. Besondere Persönlichkeiten unserer Kirche haben dort ihre letzte Ruhe gefunden. Kunstvolle Gedenktafeln, einige davon frisch restauriert, erinnern an sie. Meistens ist der Kräutergarten eine Oase der Ruhe mitten in der City.

Doch wie die meisten von Euch wissen ist der Kräutergarten noch mehr: Es ist auch der Ort, an dem die Kinder an Fastelavn die „Katze aus der Tonne“ schlagen. Genau sieben Wochen später, am Ostersonntag, werden wir dann dort im Kräutergarten Ostereier suchen. Im Mai werden die Konfirmanden dort beim „Open-Air-Unterricht“ ihre Konfirmationssprüche aussuchen. Und im Juni werden wir dort wieder beim Sommerfest den Grill anwerfen und miteinander feiern.

Der Kräutergarten ist also Ort des Todes und Platz des prallen Lebens!        In meinen sieben Jahren an Sankt Petri ist mir niemand begegnet, der das pietätlos gefunden hätte. Im Gegenteil: Wer einmal eine gemütliche Stunde dort verbringt, schließt diesen geheimnisvollen Ort meistens in sein Herz.

Ich liebe den Kräutergarten auch deshalb, weil sein Miteinander von Leben und Tod auch eine geistliche Dimension hat. Im christlichen Glauben hat der Tod nicht das letzte Wort. Natürlich soll man sich an seine eigene Endlichkeit erinnern und natürlich soll man seiner Verstorbenen gedenken. Klein beigeben und stumm werden muss man aber nicht im Angesicht des Todes. Denn es gibt noch etwas Mächtigeres und Größeres: Gott, der an Ostern die Macht des Todes besiegt hat durch die Auferweckung seines Sohnes. Passt es da nicht wunderbar, dass wir am Ostermorgen ausgerechnet im Kräutergarten Ostereier suchen? Dieser Ort verleiht unserem Glauben die richtige Würze. Er erinnert uns daran, im Angesicht des Todes nicht die Hoffnung aufzugeben, sondern das Leben zu feiern.

Einen schönen Frühling und eine gesegnete Osterzeit wünscht

Euch Euer

 

Pastor Peter Krogull