Heinrich Ernst Schimmelmann

 
Heinrich Ernst Schimmelmann, oft nur Ernst Schimmelmann genannt, wurde als ältester Sohn von Heinrich Carl Schimmelmann am 4.12.1747 in Dresden geboren. Er bekam eine gute Ausbildung und unternahm Bildungsreisen in die Schweiz, nach England, Frankreich und in die Niederlande. 1762 zog er mit seiner Familie nach Dänemark, wo er mit 20 Jahren Konferenzrat wurde. Seine erste Frau, Emilie, geb. Rantzau, starb früh, und er heiratete dann Charlotte Schubart, die Schwägerin von Ludwig Reventlow. Sie spielte bald eine wichtige Rolle in Kopenhagens Kunst- und Kulturszene.

 Nach der Entfernung Struensees von der Macht 1772 wurde der Staat von der sogenannten Kabinettsregierung unter Ove Hoegh-Gudberg regiert – König Christian VII. war wegen seiner Geisteskrankheit außerstande, die Regierungsgeschäfte zu führen, und sein Sohn mit Caroline Mathilde, Kronprinz Friedrich, war zu jung. Dieser wurde erst 1784 regierungsmündig, und H.E. Schimmelmann hatte zusammen mit Christian Ditlev Reventlow und Andreas Peter Bernstorff die Absetzung der Kabinettsregierung und gleichzeitige Einsetzung Kronprinz Friedrichs als Regent heimlich vorbereitet. Bei diesen heimlichen Gesprächen war Hauptpastor Balthasar Münter von der Petrikirche beteiligt, und die Kirche stand auch als Verhandlungsort zur Verfügung. Der Coup gelang, und Schimmelmann bildete zusammen mit Reventlow und Bernstorff das Reformkabinett unter dem Kronprinzen, dem späteren König Friedrich VI. Das Kabinett brachte eine Reihe moderner Gesetze auf den Weg wie z.B. die Bauernbefreiung und Landwirtschaftsreform, Neuordnung des Polizeiwesens, der Straßen- und Schulverwaltung und andere.

 H.E. Schimmelmann war aus innerer Überzeugung ein Gegner des Sklavenhandels, und obgleich er nach dem Tod seines Vaters 1782 selbst Sklavenhändler wurde, setzte er sich mit aller Kraft dafür ein, die Sklaverei abzuschaffen – gegen erheblichen Widerstand seiner Regierungskollegen und anderer Sklavenhändler. Es gelang ihm, den Kronprinzen von seiner Idee zu überzeugen, und so kam 1792 die ‚Verordnung über den Negerhandel‘ heraus, nach der es ab 1803 den Untertanen des dänischen Königs verboten wurde, Sklavenhandel zu treiben. Dieses Gesetz wurde Vorbild für die anderen Koloniemächte.

Schimmelmanns Ehefrau Charlotte war Mittelpunkt einer wachsenden Salonkultur in Kopenhagen und versammelte neben Diplomaten und hohen Beamten die bedeutenden Geistesgrößen der Zeit im Berckentinschen Palais (Odd-Fellow-Palais) in der Bredgade oder in den Sommersitzen der Familie, Sølyst in Klampenborg oder Hellebækgård. Hier trafen sich z.B. Friederike Brun, Hans Christian Ørsted, Jens Baggesen und Adam Oehlenschläger. Die Schimmelmanns benutzten ihren Reichtum, um Kunst und Kultur zu unterstützen. So finanzierten sie Bildungsreisen für Baggesen und Oehlenschläger, und als bekannt wurde, dass Friedrich Schiller in Deutschland in finanziellen Nöten war, bekam er ein mehrjähriges Stipendium.   
Der Krieg gegen die Engländer, der im Kopenhagener Bombardement von 1807 gipfelte, brachte einen harten wirtschaftlichen Niedergang für Dänemark mit sich (‚Staatsbankrott‘), der auch für die Schimmelmannschen Besitzungen ein harter Schlag wurde. H.E. Schimmelmann setzte als Finanzminister  1813 eine unbeliebte Währungsreform durch, die sehr langsam eine positive Wirkung zeigte. Er musste das Finanzministerium abgeben, blieb aber bis zu seinem Tod 1831 Mitglied der Regierung.

H.E. Schimmelmann war aktives Mitglied der St. Petri Gemeinde und hatte 31 Jahre lang das Amt des königlichen Patrons inne. Seine Tatkraft war besonders gefragt für das Fortbestehen der Gemeinde in der schweren Zeit nach 1807 mit der stark beschädigten Kirche. Der Turm war zwar (als einziger der Kopenhagener Kirchtürme) stehen geblieben, aber das Kirchenschiff und die Grabkapellen waren nicht benutzbar, und kirchliche Handlungen konnten mit dem Wohlwollen der Heiliggeist-Gemeinde nur in deren Kirche stattfinden. Bei einer Gemeindeversammlung 1814 in Schimmelmanns Beisein einigte man sich darauf, als selbständige Gemeinde fortzubestehen und alles dafür zu tun, die Gebäude wieder herzustellen. Die benötigten Gelder wurden durch eine groß angelegte Spendenaktion gesammelt, bei der Schimmelmann seine Beziehungen zum Königshaus, zum dänischen Adel und zu den Herzogtümern ausnutzte, und auch die Kopenhagener Bevölkerung trug dazu bei, ,eine der ältesten Zierden der Hauptstadt zu bewahren‘, wie es im Spendenaufruf hieß.

Schimmelmann starb 1831. H.C. Ørsted schrieb in einem Nachruf über ihn: er sei ein Mann gewesen‚ ‚der bei seinem weitspannenden Geist nichts anderes als ein Weltbürger werden konnte‘ und: ‚dass man ein wahrer Weltbürger sein und doch mit der innerlichsten Wärme sein eigenes Land lieben‘ könne, und dieses Land war für Heinrich Ernst Schimmelmann der dänische Gesamtstaat. Er ist zusammen mit seinen beiden Ehefrauen in den Grabkapellen beigesetzt.
Wulf D. Wätjen

Quellen:
Beyer, J. + Jensen, J.: Sankt Petri Kopenhagen 1575-2000. Kopenhagen 2000
Bobé, L.: Die deutsche St. Petri Gemeinde. Kopenhagen 1925
Politikens Danmarkshistorie in 14 Bänden. København  1962-66
Dänisches Wikipedia
 
Heinrich Ernst Schimmelmann mit 40 Jahren
gemalt von E. Paulsen, Schloss Ahrensburg
 
Heinrich Ernst Schimmelmann mit 80 Jahren
gemalt von ACW Thomsen, Schloss Ahrensburg
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