Eine Stiftsdame aus Sachsen

Martha Pfefferkorn 4.1. 1905 – 17.6. 1993


Als eine der letzten verbliebenen Stiftsdamen schien Frl. Pfefferkorn ihrem Nachnamen immer mehr zu entsprechen. Scharf konnten ihre Kommentare sein, wenn sich das Leben im Stift nicht so abspielte, wie es in ihren Augen als Tonangebende Stiftsdame zu sein hatte. In unverkennbarem Sächsisch tat Frl. Pfefferkorn resolut ihre Meinung kund, meistens mit einem Augenzwinkern und aus aufrichtigem Engagement für Petri, wo sie ihre zweite Heimat gefunden hatte. Zu ihrer ersten, die im Osten Deutschlands lag, hegte sie Zeitlebens eine ungebrochene Liebe. Dort lebten ihre einzigen Angehörigen, denen Frl. Pfefferkorns treue Grüße und Päckchen Mut, Hoffnung und Lebensfreude spendeten. In Petri konnte man sich dafür darauf verlassen, dass Frl. Pfefferkorn echt Dresdener Christstollen besorgte. Eine bescheidene Lebensart ermöglichte ihr ab und zu einen Kuraufenthalt im sächsischen Bad Elster, ein in den 1980ern vor dem Mauerfall doch etwas exotisch erscheinender Kurort. Gestärkt kehrte Frl. Pfefferkorn dann in ihre Einzimmerwohnung im 2. Stock mit Schulhofblick zurück, um wieder jeden Sonntag in der Kirche ihren Platz einzunehmen, im Bugenhagensaal am Kirchkaffe teilzunehmen oder sogar bei Schulaufführungen der Petrischule dabei zu sein - und um energisch den Stiftsalltag im Auge zu behalten.

Die Urne mit Martha Pfefferkorns Asche wurde in der Familiengrabstätte in Bautzen in Sachsen beigesetzt. Ihr Vermögen testamentierte sie Sankt Petri.

Claudia Hoffmann Dose
 
Gemeindemitglied Rosemarie Hillmann konnte folgendes hinzufügen:
1936 kam Frl. Pfefferkorn nach Kopenhagen. Sie arbeitete in Bautzen in einer Strumpffabrik, und da man von dort Maschinen gekauft hatte, die man noch nicht kannte, wurde Frl. Pfefferkorn nach Kopenhagen geschickt, um den Arbeiterinnen im Gebrauch der Maschinen beizustehen. Warum sie dann hier blieb, weiss ich zwar nicht, aber die Besatzungszeit und die Nachkriegszeit waren für sie als Deutsche nicht ganz leicht.

 
 
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