Chronologische Übersicht des historischen Hintergrundes der Kirche

 
Jahr Ereignis
Die Petrikirche
1200-1300
Die Sankt Petri Kirche ist im 11. Jahrhundert Pfarrkirche im Dorf Serridslev (das sich bis zum jetzigen Bremerholm und Gl. Strand erstreckte), und wird in Dokumenten aus dem Jahre 1304 unter ihrem ursprünglichen Namen "Skt. Peder" als kleine Filialkirche zur "Vor Frue Kirke" namentlich erwähnt.
Jonge, N. 1787, Bd. 1 S. 18
"Deutsche Kolonie"
14. Jahrhundert
Die deutsche Kolonie in Kopenhagen wird erstmalig im 14. Jahrhundert erwähnt, als sie ihre eigene Gilde, genannt "die Heilige Dreifaltigkeitsgilde", hat. Sie hat ihre eigene Kapelle entweder in der "Vor Frue kirke" oder im "Gråbrødreklosteret". Kurz vor dem Jahre 1500 bekommt die Gilde ihr eigenes Haus in der Fiskestræde (dem jetzigen Amagertorv 42-43)
Bobé, L. 1925 S. 7
Immigration
16. Jahrhundert

Unter Christian II. (dänischer König 1513-23) kommt eine große Anzahl von Einwanderern nach Dänemark, besonders Deutsche. Schon im Jahre 1572 werden königliche Privilegien betreffend Anmeldepflicht beim Rentmeister und Steuerfreiheit für Einwanderer erlassen.

Reformation
ab 1523
1523 besucht Christian II. Martin Luther in Wittenberg und leitet somit die Reformation in Dänemark ein. Sie wird unter Christian III. durchgeführt, der von Johannes Bugenhagen, einem Entsandten Martin Luthers, gekrönt wird. 
Im Zuge der Reformation wird die Petrikirche von der katholischen Kirche der Krone übertragen, und 1537 als Pfarrkirche aufgelöst. Ihr Grundbesitz (103 Liegenschaften) wird auf die Vor Frue Kirke übertragen.
Aufgrund der Unruhen in Deutschland in den Jahren nach der Reformation verstärkt sich die deutsche Einwanderung nach Dänemark. 
Politiken Bd 6 S. 146-63
Steenberg, J. 1945-58, S. 231f
Boldt, H.W. 1875, S. 9
Deutsche Sprache
ab 1523
Unter Frederik I. verbreitet sich die deutsche (und plattdeutsche) Sprache am Hofe, da deutsch die Muttersprache Frederiks ist. Viele der späteren deutschstämmigen Königinnen halten an der deutschen Sprache fest.
Politiken Bd 5 S. 477f
Petri Kirche wird säkularisiert
1537
Sankt Peder wird ab 1537 als Kanonen- und Glockengießerei benutzt: "Kgl. Majestæts gjethus og bøssestøberi"
Politiken Bd 6 S. 253
Dänische und deutsche Kanzlei
ca. 1540
Unter Christian III. wird die deutsche Kanzlei zur Wahrnehmung der königlichen Aufgaben in den Herzugtümern sowie für die das Ausland betreffenden Angelegenheiten etabliert. Die Kanzleisprache ist Latein, ändert sich aber mehr und mehr zum Hochdeutschen. Die innerdänischen Angelegenheiten nimmt die dänische Kanzlei wahr. Der erste deutsche Kanzler Christian des III. war Wolfgang v. Utenhof, der dänische Kanzler war Jacob Friis.
Politiken Bd 6 S. 202-07
Dänische Bibel
1550
1550 erscheint die erste dänische Bibel, die von dem in Dänemark ansässigen deutschen Buchdrucker Ludvig Dietz aus Lübeck gedruckt wird. Die Übersetzung wird von Christiern Pedersen nach dem deutschen Text von Martin Luther geschrieben.
Politiken Bd 6 S. 197f
Kgl. Privilegien für St. Petri
1575
Am 20.(24.?)02.1575 erlässt Frederik II. die ersten königlichen Privilegien für die Sankt Petri Gemeinde mit der Genehmigung, die Sankt Clara Klosterkirche zu benutzen. Die Erlaubnis, einen Schulmeister anzustellen, wird am 31.(11.?)03.1575 erteilt.
Jonge, N. 1787 Bd. 1, S. 19f
Die Petri Kirche
1585
1585 übergibt Frederik II. der Gemeinde die Sankt Peders Kirche, die fortab Sankt Petri genannt wird.
30-jähriger Krieg
1618-48
Während des 30-jährigen Krieges kommen viele Deutsche, Holländer und französische Hugenotten nach Dänemark, um den unruhigen Zeiten in ihrem Vaterland zu entgehen. Christian IV. unterstützt die Einwanderung von Handwerkern und Handelsleuten, um die dänische Gesellschaft zu fördern. Er bestrebt sich, mithilfe der Ausländer u.a. Seiden-, Tuch- und Wollmanufakturen in Dänemark zu etablieren. 
Politiken Bd 7 S. 136-43, 230-39
Neue Privilegien für St. Petri
1616, 1618, 1623, 1632 und 1641 erlässt Christian 4. neue Privilegien, die u.a. Sankt Petri den übrigen Kirchen in Kopenhagen gleichstellen; jedoch ohne Abgrenzung einer zugehörigen Kirchengemeinde. Christian IV. bestimmt 1616, dass ein königlicher Patron die Angelegenheiten Sankt Petris dem Königshaus gegenüber vertreten soll. Ein Amt, das noch heute existiert.
Boldt, H.W. 1875, S. 14, 19
Sammlung
Seitenschiffe der Petrikirche
 
In den Jahren 1631 und 1634 wurden unter Christian IV. zwei Seitenschiffe angebaut, und unter Christian V. wurde 1691 das nördlichste Seitenschiff, das jetzt Christian-V.-Saal heißt, gebaut.
Dose+Hasselmann 1975 S. 17
Jensen, J. 1994 S.101
Politiken Bd 7 S. 306
Amt des Reichshofmeisters
1646
1646 wird der Reichshofmeister als Vorsitzender des Reichsrates bestätigt. Einige Gemeindemitglieder bekleideten dieses Amt.
Politiken Bd 7 S. 90
Rat der 32
1659
1659 wird der Rat der 32 Männer in Kopenhagen gegründet; er wird vom Bürgertum und dem Magistrat gewählt. Mehrere Gemeindemitglieder gehörten dem Rat an.
Politiken Bd 7 S. 495
Ministerien
1660
Unter Frederik 3. werden 1660 Ministerien unter den Bezeichnungen "Statskollegiet", "Skatkammerkollegiet" (Finanzministerium) und "Kancellikollegiet", später im gleichen Jahr das "Krigskollegiet" (Kriegsministerium) und das "Admiralitetskollegiet" etabliert. Z.B. war H.E. Schimmelmann Finanzminister. Der höchste Gerichtshof wurde 1661 gegründet.
Politiken Bd 8 S. 47-49
Kopenhagens Privilegien
1661
Mit dem Absolutismus führte Kopenhagen neue Privilegien ein, u.a. wurde der "Rat der 32 Männer" besiegelt.
Politiken Bd 8 S. 114f, 119-21
"Amter" (Kreise)
1662
1662 werden "Len" (Verwaltungsbezirke) durch "Amter" (Kreise) ersetzt, und die Bezeichnung "Amtmand" (Landrat) wird eingeführt.
Politiken Bd 8 S. 59
Grabkapellen
1681
Da zu Sankt Petri nur ein bescheidener Grabplatz gehört, wird beschlossen, die Grabkapellen anzulegen. Die Grabkapellen werden in zwei Abschnitten 1681 und 1739 gebaut. Es gibt unterirdische Krypten ab 1658.
Munk Hansen, H. 1990 S. 33
Theaterbrand
1689
1689 brennt das Theater bei Sofie Amalienborg, und viele Mitglieder der gehobenen Bürgerschaft kommen um, auch Gemeindemitglieder von Sankt Petri  (u.a. viele Kinder)
Politiken Bd 8 S. 304f
Pest
1711
Während der Pest in Kopenhagen werden viele Tote in der und um die Petrikirche begraben.
Politiken Bd 8 S. 440-47
Brand in Kopenhagen
1728
Beim Kopenhagener Brand im Jahre 1728 werden das Dach, die Turmspitze und vier Gewölbe sowie das gesamte Inventar und die Kirchenbücher zerstört.
Die Kirche wird 1728-31 u.a. von J.C. Krieger, Hofbildhauer Didrik Gercken und Architekt Kai Dose (Turmspitze) unter Leitung von J.C. Ernst wieder aufgebaut. Dazu wurden freiwillige Spenden u.a. aus Deutschland verwendet.
Munk-Hansen, H. 1990 s. 7-9
Jonge, N. 1787 Bd. 1, S. 22
Dose+Hasselmann 1975 S. 18-20
Bilder von der deutschen St. Petri Kirche
Steenberg, J. 1945-58, S. 234
Kirchturm
1757
Nach jahrelangen Diskussionen, an denen auch Christian VI. aktiv teilnimmt, wird eine neue Kirchturmspitze gebaut, die noch heute existiert. Baumeister ist Hofzimmermeister Johan Boye Junge, der in den Grabkapellen beigesetzt ist.
Dose+Hasselmann 1975 S. 20
Gemeindeverzeichnis
1767
Eine Liste der Gemeindemitglieder von Sankt Petri  aus dem Jahre 1767 beinhaltet 351 Männer und 8 Witwen mit Angabe von Namen und Stellung. Diese Liste ist das erste Mitgliederverzeichnis.
Struensee
1772
Struensee wird hingerichtet. Sein Beichtvater ist Pastor an Skt. Petri, Balthasar Münter.
"Indigenatsloven"
Gezetz über Staatsangehörigkeit
1776
Nach der Struensee-Affäre wird 1776 das Gesetz über Staatsangehörigkeit ,"indigenatsloven", erlassen, woraus hervorgeht, dass nur Personen, die in Dänemark, den Herzogtümern oder Norwegen geboren sind, ein höheres Amt beim Staate bekleiden können. Das Gesetz gibt Anlass zur Deutschenfehde von 1789-90, die zusammen mit den darauf folgenden jahrelangen Streitigkeiten zwischen dänischen und deutschen Interessen ausführlich beschrieben ist bei
Jensen, J. 1994 S. 116-21, Beyer+Jensen 2000 S. 96-101 und Politiken Bd 9 S. 515-20
Glückliche Zeiten
1784-97
"Politikens Danmarkshistorie" beschreibt die Jahre von 1784-97 in Band 10 jedoch als die vielleicht glücklichste Zeit, die Dänemark je erlebt hat.  Es ist die Zeit der großen Landwirtschaftsreformen, des wachsenden bürgerlichen Freiheitsbewusstseins und eines riesigen wirtschaftlichen Aufschwungs gleichzeitig mit den besten Ideen über menschliche,  wirtschaftliche und politische Freiheit, die ihren Ursprung in der französischen Revolution haben.  Dänemark wird von A.P. Bernstorff, Chr. D. Reventlow, Ernst Schimmelmann und Ludvig Reventlow geleitet, die alle deutscher Abstammung sind.
Politiken Bd. 10 S. 35-55
Bombardement
1807
Beim Bombardement im September 1807 werden Kirche und Grabkapellen stark beschädigt. Dank des energischen Einsatzes der Männer der Gemeinde unter Führung von Totengräber Jacob Jörgensen wird der Kirchturm jedoch bewahrt (im Gegensatz zu den übrigen Kirchtürmen in Kopenhagen). Von 1815 an wird die Kirche under Staatsbaumeister J.A. Meyer neu aufgebaut. Ein neues Altarbild (von J.L. Lund, gestiftet von Constantin Brun und Gattin Friederike) und eine neue Kanzel werden eingesetzt.
Munk-Hansen, H. 1990 s. 9
Dose+Hasselmann 1975 S. 27-29
St. Petri Realschule
ab 1816
1816 wird die Knabenrealschule gegründet und 1819 die Mädchenrealschule, 1822 wird eine Lateinklasse eingerichtet, die zum Studium an der Universität berechtigt. 
Jensen, J. 1994 S.113f
Pfarrhaus
1819
Das neue Pfarrhaus wird 1819 an der Ecke der Skt. Pedersstræde und Larslejsstræde gebaut. Das Gebäude steht noch immer dort.
St. Petri Thymes und Pelts Stift
1822
1822 wird das Stiftgebäude in der Larslejsstræde 7 als Heim für die Alten der Gemeinde gebaut. Das Gebäude wird jetzt von der St. Petri Schule benutzt.

Der Krieg 1848

Mit dem Krieg von 1848 verlassen de meisten Deutschen im dänischen Staatsdienst das Land; viele reisen in die Herzogtümer. 
Jensen, J. 1994 S.120
Restaurierung
1865

Umfassende Umbau- und Restaurierungsarbeiten werden im Inneren der Sankt Petri Kirche unter Architekt Harald Conrad Stilling um 1865 ausgeführt. Dabei werden eine Sakristei und die letzten Emporen entfernt, das Gestühl wird erneuert, und der Turmraum wird abgeteilt. 
Dose + Hasselmann 1975
Munk-Hansen, H. 1990 S. 9

Neue Fenster
1898
Ab 1898 werden die Fenster der Kirche mit Glasmalereien von Christen Nielsen Overgaard und Otto Linnemann verziert.
St. Petri Schule
1899
Bis 1899 war die Petri Schule auf verschiedene Adressen in Kopenhagens Innenstadt  verteilt. 1899 wird das jetzige Schulgebäude (”Sankt Petri Knaben Kirchenschule/Sankt Petri Realschule”) in der Larslejsstræde 5 zuerst als reine Knabenschule eingeweiht.
Die Mädchenschule wird geschlosse
1935
Die Sankt Petri Mädchenschule in der Skt. Pedersstræde 4 wird geschlossen und mit der Knaben-Realschule zusammengelegt. Das Gebäude der Mädchenschule wird später von der Stadt Kopenhagen übernommen.
Lehmann et al. S.206
Neue Orgel
1938
1938 wird die neue Orgel auf einer Empore am westlichen Ende des Mittelschiffes eingeweiht. Die Orgel wird von Großkaufmann Lang gestiftet und von der Firma Sauer in Frankfurt/Oder gebaut. Im Zusammenhang mit der Restaurierung der Kirche in den Jahren von 1994-99 wird die Orgel in das nördliche Nebenschiff umverlegt.
Kaperplan
1938
Nach den Plänen von Kulturbürgermeister Dr. Ernst Christian Kaper für die Umverteilung der Gebäude von St. Petri wird das  "Brødrene Petersens Jomfrukloster" in der Larslejsstræde 9-11 mit Räumlichkeiten für die Gemeinde und Wohnungen für den Pfarrer und 16 unverheiratete Frauen gebaut. Der auch geplante Abriss des früheren Pfarrhauses an der Ecke der Skt. Pedersstræde und Larslejsstræde sowie der früheren Mädchenschule in der Skt. Pedersstræde wird später von der Stadt Kopenhagen aufgegeben.
Frosell in Lehmann et al. S. 220-34
Die St. Petri Schule während und nach dem 2. Weltkrieg
1939-47
1939 wird ein gymnasialer Oberbau zur Schule eingerichtet, der jedoch nur wenige Jahre besteht.
Gegen den Wunsch der Schulkommission setzt die deutsche Besatzungsmacht einen Beschluss durch, wonach ein neues Schulgebäude gebaut werden soll. Die Bauarbeiten beginnen in Emdrup unter dem Architekten Professor March, der Berlins Olympiastadion entworfen hat, werden jedoch bis Ende des Krieges nicht fertig, wonach das Gebäude vom dänischen Staat übernommen und jetzt von Dänemarks Lehrerhochschule genutzt wird.
In den ersten Jahren nach dem Krieg herrscht Unsicherheit betreffend des weiteren Bestehens der Schule, bis das Unterrichtsministerium in einem Schreiben vom März 1947 die Genehmigung der Schule, Mittelschul- und Realschulprüfungen abzunehmen, erneuert.
Heutzutage ist die dänisch-deutsche St. Petri Schule eine Privatschule unter dänischer Gesetzgebung.
Frosell in Lehmann et al. S 224-42