NYHEDER


 

Besuch des Gymnasiums beim KWK-Kraftwerk Avedøre 

  
Am Freitag, 4. Oktober 2019, haben wir, die Schüler des St. Petri Gymnasiums, zusammen mit unseren Lehrern Bernd Wisskirchen und Dominik Schlüter im Rahmen von Dominiks Geographie-Unterricht die Kraft-Wärme Station Avedøre in Hvidovre besucht. Dort erhielten wir von dem dort angestellten Werkstudenten eine Führung, sowie einen einführenden Vortrag über den Stand der Kraftwerkstechnik. Das Kraftwerk, so lernten wir, produziert Fernwärme für 600.000 Haushalte in Dänemark,
und der Strom wird in das Nordwesteuropäische Energienetz eingespeist.
 
 
Wenn wir Deutsche an ein Kraftwerk denken, dann stellen wir uns wohl meist ein herkömmliches Kohlekraftwerk vor, mit dicken schwarzen Rauchsäulen, meterhohen schwarzen Steinkohlehaufen und unzähligen Arbeitern, ausgerüstet mit Warnwesten und gelben Helmen. Bewährt
 
hat sich von diesen Klischees höchstens Letzteres. Das Kraftwerk produziert nämlich zu 84% grünen Strom, und das Kohle-Häufchen vor dem Kraftwerk ist mir überhaupt erst gegen Ende aufgefallen. Jährlich ist es somit nur noch rund eine Tonne Kohle, die hier verbrannt wird - und laut unserem Guide soll bis 2023 keine Kohle mehr verbraucht werden.
 
Stattdessen werden die riesigen Brennöfen vor allem mit Holzpellets und Stroh gefüttert. Der Prozessablauf, den wir relativ detailliert kennengelernt haben, war in dem Sinne interessant, als wir eine sehr praktische Anwendung des Physikunterrichts beobachten konnten. Die Pellets, Stroh und zu einem geringen Anteil auch Kohle werden bei mehreren Hundert Grad verbrannt, und die gespeicherte Energie wird in Wärmeenergie umgewandelt. Diese erwärmt dann Wasser, welches wiederum Turbinen antreibt, die (ganz nach dem Prinzip des Elektro-Magnetismus, wie man ihn aus der 11. Klasse kennt) die Wärmeenergie in Strom umwandeln - und so entsteht dann die Fernwärme und elektrischer Strom zugleich.
 
Weder die gigantischen Ausmaße dieses Prozesses noch der enorme ingenieurische Perfektionismus, der bei Bau hier am Spiel war, waren mir persönlich vor dem Besuch wirklich bewusst und hinterließ einen bleibenden Eindruck. Die zwei Haupt-Gebäude etwa sind so groß, dass die Knöpfe im Fahrstuhl nicht Stockwerke, sondern Höhenmeter angeben. Wir sind dann zum Beispiel ins Stockwerk 22,7 gefahren, nur um dann noch dieselbe Höhe über die Treppe zurückzulegen. Und auch die Öfen und der Generator waren gigantisch - letzterer vielleicht so groß wie ein LKW. Als wir daneben standen, hat auch der ganze Boden vom Druck der Turbinen gebebt, und es war so laut, dass wir kaum ein Wort des jungen Studenten mehr verstanden. Der Kontrollraum der Fabrik glich überhaupt eher der Zentrale eines Spaceships aus Starwars, als der Zentrale eines Kraftwerks im gemütlichen Dänemark.
 
 
Das einzige, das wir vielleicht alle ein wenig an der Tour auszusetzen hatten, war die Gemütlichkeit des Führers. Bisher nur an Volksschulklassen gewöhnt, war sein Niveau stellenweise ein wenig zu niedrig. Und dann hat doch die angeblich sehr gute Ökobilanz des Kraftwerks ein paar Fragen aufgeworfen: das Holz, das verbrannt wird, kommt nämlich zum Großteil aus Russland, und es blieb ein wenig unklar, ob es dann eingeflogen wurde, oder per Öl-Frachter eingeschifft wurde. Außerdem ist Russland ja weithin dafür bekannt, Wälder abzuholzen, die zum einen uralt sind, und zum anderen den sensiblen Permafrost schützen - der beim Auftauen Unmengen an CO2 ausstoßen wird. Die CO2-Bilanz wird (trotz des Verzichts auf Kohle) also in Teilen eher ausgelagert als verbessert. Aber damit entspricht das Kraftwerk ja zumindest dem zwar manchmal noch irgendwo ambitionierten, doch überall unzureichenden Klimaschutz Europas überein.
 
 
Jakob Scriver