Petri trifft: Daniel Kehlmann

 
Der Sommer ist schon fast vorbei, aber nur fast, denn einer der Höhepunkte des Jahres kommt erst Ende August, wenn internationale Literaturgrößen nach Humlebæk pilgern, um sich beim dortigen Literaturfestival ein Stelldichein zu geben. Spätestens seit Veröffentlichung von Die Vermessung der Welt gehört auch Daniel Kehlmann zu den Autoren, an denen man mittlerweile nicht mehr vorbeikommt, wenn es um deutsche Gegenwartsliteratur geht. Sein neuester Roman Tyll ist just ins Dänische übersetzt worden, doch uns interessierte Kehlmann insbesondere, weil sein 2009 erschienener Episodenroman Ruhm Gegenstand des diesjährigen Abiturs sein wird - Grund genug für uns, den Weg nach Louisiana einzuschlagen. Und es kam sogar noch besser: trotz seines vollen Programms war der Autor bereit, sich mit uns für eine knappe Stunde in seinem Hotel in Rungsted zu treffen. Eine einmalige Gelegenheit.
 
Bei unserer Ankunft trafen wir auf einen trotz vollen Terminkalenders entspannten und gut gelaunten Daniel Kehlmann, der bereitwillig auf die Fragen der Schülerinnen und Schüler antwortete. Wir erfuhren so manches interessante Detail, wie etwa, dass Kehlmann gerne Zauberkünstler geworden wäre und dass eines seiner ersten großen Literaturerlebnisse Der Herr der Ringe war. Die Schüler bekamen aber auch Einblicke in die Arbeitsweise eines Schriftstellers und die Genese von Literatur. Auf unsere Frage, was er von uns wissen wollte, antwortete Kehlmann mit ehrlichem Interesse an der jungen Generation: Wie die Schüler es denn mit dem Lesen hielten und ob dies für sie noch einen Stellenwert habe. Die meisten Schülerinnen und Schüler konnten diese Frage mit einem klaren Ja beantworten.
 
Nach der Begegnung mit Kehlmann war der Tag noch nicht zu Ende. Wir fuhren weiter zum Literaturfestival in Louisiana, wo wir Gelegenheit hatten, andere große Schriftsteller zu hören, wie etwa Delphine de Vigan und Tahar Ben Jelloun, die u.a. darüber debattierten, welche Herausforderungen das Schreiben in einer fremden Sprache stellt und ob es Sinne ergibt, zwischen französischer und frankophoner Literatur unterscheiden.
 
Später am Nachmittag war Christian Kracht mit seinem (brillant von Thure Lindhardt in dänischer Übersetzung auszugsweise vorgetragenen) Roman Die Toten zu hören und zum Abschluss noch einmal Kehlmann im offiziellen Interview, wo es primär um den aktuellen Roman Tyll ging.
 
Ein ereignisreicher Tag, der sicher vielen Schülerinnen und Schüler die Literatur auf eine persönlichere Weise nähergebracht hat, als dies ansonsten möglich ist.
 
Bernd Wisskirchen
 
 
 
 
 
Delphine de Vigan und Tahar Ben Jelloun 
 
Christian Kracht
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